Lange Nacht der Wissenschaften

Wandel durch Handel: Impressionen aus der Erlanger Nahostforschung

An der FAU Erlangen-Nürnberg widmen sich Wissenschaftler unterschiedlicher Fachbereiche der Erforschung des Nahen Ostens und der Islamforschung, sowohl zu aktuellen Themen als auch in Bezug auf die historischen Wurzeln der gegenwärtigen Entwicklungen. Das Centre for Euro-Oriental-Studies ist als interdisziplinäres Zentrum ein Zusammenschluss dieser Forscher.

Bei der “Langen Nacht der Wissenschaften” präsentiert sich das CEOS zusammen mit dem Arabischen Haus Nürnberg e.V., welches als Kultur- und Begegnungszentrum für den interkulturellen Dialog zwischen der arabischen Welt und Europa steht und regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen zum arabischen Kulturraum organisiert.

Gemeinsam möchten wir Ihnen Einblicke in das Thema „Wandel durch Handel“ bieten, das wir islam-, politik-, wirtschaftswissenschaftlich und geographisch beleuchten.

Wann? Am Samstag, 19. Oktober 2019

Wo? Im Raum 00.15 im PSG III (Erlangen, Kochstraße)

Programm:

18:30 Uhr: Monika Zbidi M.A. (Centre for Euro-Oriental Studies): Die Natur im Wandel – Der Islam als Instrument deutscher Entwicklungszusammenarbeit

Der Klimawandel und die Zerstörung der Umwelt durch die Menschen sind zentrale Themen unserer Zeit, die auch den Religionsgemeinschaften eine Positionierung abverlangen. Wie steht also die muslimische Gemeinschaft zum Thema Umweltschutz bzw. was versteht man unter dem Begriff des so genannten „Öko-Islam“? Und was hat die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit dieser Auseinandersetzung zu tun? Im Vortrag sollen diese Fragen beantwortet werden und die Bedeutung von religiösen und kulturellen Faktoren in Umweltprojekten im mehrheitlich muslimischen Kontext beleuchtet werden.

19:00 Uhr: Prof. Dr. Thomas Demmelhuber (Lehrstuhl für Politik und Gesellschaft des Nahen Ostens): Ende des Öl-Zeitalters im Nahen Osten? Fußball ist die Lösung

Egal ob Paris Saint Germain, Manchester City oder die WM 2022 in Katar: Fußball ist nicht nur eine Spielweise für fußballverrückte Investoren aus Nahost. Dahinter verbirgt sich auch eine Strategie der politischen und ökonomischen Diversifizierung im Zuge der Endlichkeit von Rohstoffressourcen wie Erdöl/-gas. Der Vortrag beleuchtet diesen Prozess entlang einiger empirischer Schlaglichter

19:30 Uhr: Tobias Zumbrägel M.A. (Lehrstuhl für Politik und Gesellschaft des Nahen Ostens): Das Ende des Ölzeitalters am Golf: Alles gut, was grün ist?

Die ölreichen Golfmonarchien der arabischen Halbinsel gelten als größte Umweltsünder. Lange Zeit spielten Fragen nach der Vereinbarkeit von Nachhaltigkeit und dem ungebremsten, zum Großteil auf fossilen Energieträgern basierten, Modernisierungskurs in der Region keine Rolle. Erst seit kurzem haben die Monarchen das Thema Klimaschutz und umweltverträgliche Transition für sich entdeckt. So sprach beispielsweise der junge saudische Kronprinz jüngst davon, dass die saudische Abhängigkeit nach Öl die Entwicklung seines Landes massiv geschädigt hat und das Königreich ab 2020 ohne das schwarze Gold leben kann. Auf der anderen Seite wirken die bisherigen Maßnahmen zum Klimaschutz auf einen genaueren Blick eher marginal und als eine positive Außendarstellung eines „greenwashing“. Was verbirgt sich hinter dem „grünen Hype“ in der seit Jahrzenten auf Erdöl getrimmten Weltregion? Mit zahlreichen Beispielen und Erlebnisberichten möchte dieser Beitrag jener Frage nachgehen.

20:00 Uhr: Prof. Dr. Georges Tamer (Lehrstuhl für Orientalische Philologie und Islamwissenschaft): Vom Handeln und Feilschen – Handelsmentalität im Koran

Nach islamischer Überlieferung begann die Verkündigung des Korans in Mekka in einem handelsregen Umfeld, und Muhammad war ein Händler. Wie werden solche kontextuellen Gegebenheiten im koranischen Text widergespiegelt? Wie geht die Verkündung mit der Handelsmentalität der Araber um? Ein spannender Vortrag erwartet Sie!

20:30 Uhr: Prof. Dr. Horst Kopp (Arabisches Haus Nürnberg e.V.): Handel im Wandel: Von der Weihrauchstraße zur neuen Seidenstraße

Die Weihrauchstraße war die erste Handelsstraße der Welt. Damals – ab etwa 1000 v.Chr. – wurde dort das Luxusgut Weihrauch transportiert, das in den Hochkulturen der Alten Welt so gefragt war, dass es mit Gold aufgewogen wurde. Später spielte der „Indienhandel“ bei den seefahrenden Völkern eine wichtige Rolle. In der Gegenwart verfolgt China mit der neuen Seidenstraße ganz eindeutig strategische Ziele – völlig unabhängig von den dort transportierten Waren. Immer nahmen bestimmte Regionen Arabiens im Rahmen solcher Handelsbeziehungen eine zentrale Rolle ein. Mit dem Handel wandelten sie sich, wirkten sich aber über den Handel auch in den Herkunfts- und Zielgebieten der Waren mit neuen Impulsen aus.

21:00 Uhr: Ramy Abdin M.A. (Lehrstuhl für Orientalische Philologie und Islamwissenschaft): Halal oder Fairtrade: Islamische Perspektiven auf handelsethische Debatten

Das Vermeiden von alkoholischen Substanzen und Schweinefleisch ist für religiöse Muslime ein großes Anliegen. Insbesondere Halal-Fleisch, nämlich Fleisch von jenen Tieren, die gemäß der islamischen Norm geschlachtet wurden, weist hier einen großen Stellenwert für Muslime auf. Gleichwohl ein göttliches Gebot von großer Wichtigkeit für Gläubige ist, werden jedoch moralische Fragen, besonders was das religionskonforme Konsumverhalten im Islam betrifft, außer Acht gelassen. Wie ist es möglich, dass beispielsweise Halal-Fleisch trotzdem von unethisch behandelten Tieren stammt? Wie kann es sein, dass religiöse Gebote unmoralisch konnotiert sein können? In diesem Vortrag widmen wir uns der Erläuterung dieses Problems

21:30 Uhr: Prof. Dr. Christine Binzel (Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre: Wirtschaft und Gesellschaft des Nahen Ostens): Wie Sprache ökonomische Entwicklung beeinflusst

Was erklärt die Divergenz in der sozioökonomischen Entwicklung in verschiedenen Teilen der Welt? Während in Europa im 15. und 16. Jahrhundert Latein durch die Vernakularsprachen (Englisch, Französisch, Deutsch, usw.) allmählich ersetzt wurde, hat sich eine ähnliche Entwicklung in der arabisch-sprachigen Welt bis heute nicht vollzogen; eine Situation, die als arabische Diglossie bezeichnet wird. Anhand historischer Daten wird die Rolle der Reformation in der sog. Vernakularisierung Europas – die Entwicklung und zunehmende Verwendung der gesprochenen Vernakularsprachen als primäre Schriftsprache – gezeigt und mögliche Auswirkungen diskutiert.

AUSSTELLUNG IN NÜRNBERG

WO? KREISGalerie am Germanischen Nationalmuseum, Kartäusergasse 14, Nürnberg

WANN? 12. September bis 20. Oktober 2019

Vernissage: 11. September, 19:30 Uhr

Die Ausstellung zeigt Ideen und Utopien für ein vom Krieg gebeuteltes Land. – 132 Architekten aus 26 Ländern folgten im Juli 2016 dem Aufruf der IUAV University, Venedig, der UN-ESCWA Agency, Beirut und der I. Barbon Shipping & Logistics, Venedig, Szenarien zur Rekonstruktion des Landes mit einem einfachen Werkzeug zu entwickeln: dem klassischen Skizzenbuch.

Das Projekt entstand im Anschluss des Auftrags der UN-Organisation ESCWA Beirut, eine Agenda für den Wiederaufbau Syriens zu erstellen.

Begleitet wird die Ausstellung mit Vorträgen, Diskussionen und Führungen von Betroffenen und Kennern der Region, die ihren persönlichen und aktuellen Blick auf eine politisch verworrene Situation geben.

Der Bühnenbildner, Schauspieler und Performance-Künstler Bazhad Sulaiman aus Damaskus, der momentan ein Aufbaustudium für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Saarbrücken absolviert, setzt die Skizzenbücher in der KREISGalerie in Szene und präsentiert sie mit Parallelen zu einem vom Krieg zerstörten Nürnberg.

52 Skizzenbücher der Ausstellung stammen direkt von syrischen Architekten aus Damaskus, Aleppo, Hama, Latakia und Tartous. Sie zeigen die Kraft der Architektur, nach vorne zu denken. Die Architekten haben den Bleistift als Waffe des Friedens genutzt und Spuren hinterlassen: Sie verfolgen vergangene oder imaginäre Reisen in das Land, stellen Zukunftshypothesen auf und reflektieren das Drama von Flüchtlingen und Migranten.

Das Projekt zeigt eine Suche nach Antworten auf die wirklichen sozialen Bedürfnisse einer Gemeinschaft. Es schafft Bewusstsein für die Wichtigkeit eines Wiederaufbauprozesses: die Fähigkeit, sich eine mögliche Zukunft in den Trümmern des Krieges vorzustellen. Ein Wiederaufbauprozess, der helfen kann, tiefe Wunden zu heilen, in der Stadt, dem Land und an den Infrastrukturen.

Öffnungszeiten: Mi 16 – 20 Uhr, Do & Fr 14 – 18 Uhr, Sa 11 – 15 Uhr; Mo & Di geschlossen, Sonn- u. Feiertage nach Voranmeldung

Sonderöffnungszeiten: Nürnberger Friedenstafel: So, 22. September 2019 von 12 bis 17 Uhr

Art Weekend Nürnberg: Fr, 4.10. ab 18 Uhr, Sa, 5.10., 11 – 18 Uhr, So, 6.10., 11 – 16 Uhr

Begleitprogramm

Lehrerinformationsveranstaltung, Fr 13. Sept. 2019, 16 Uhr (ohne Anmeldung): Für Schulklassen, Jugend- und Erwachsenengruppen kostenfreie Führungen mit syrischen Freiwilligen und dem Kurator Michael Schmidt. (Anmeldung unter: der.gelbe.fuchs@t-online.de).

Vorträge in der KREISGalerie, Kartäusergasse 14, 90402 Nürnberg (Eintritt frei, für Essen und Getränke ist gesorgt)

Mo, 23. September 2019

17:00 Uhr

„Gepflogenheiten im arabischen und islamischen Raum“

Salah Arafat (Dipl Ing., Privatdozent für die Landesarbeitsgemeinschaft der freiwilligen Agenturen, Schwerpunkt Naher Osten)

Wenn unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen, entstehen ungewollt und durch Unwissen Vorurteile und in vielen Fällen auch Ablehnung. Wenn wir aber diese Wissenslücke richtig schließen, dann fällt es leichter, einiges am Verhalten der Anderen besser zu verstehen. Das gilt selbstverständlich für alle Beteiligten. In meinem Vortrag versuche ich, die Gepflogenheiten im arabischen und islamischen Raum zu durchleuchten, die durch Religion, Sitten und Gebräuche sehr ausgeprägt sind und zeige, worauf es ankommt bei der Integration.

18:30 Uhr

„Frauen im nahen Osten. Eine Frau reist alleine im Orient? Berichte und Erfahrungen einer Fränkin“

Ulrike Trapp (Diplom-Betriebswirtin, Mitglied im Europäischen Wirtschaftssenat, International Business Woman, Unternehmerin für internationales Marketing Trapp Networks Nürnberg)

19:30 Uhr

„Einblick in die „Integrationspolitik der Stadt Nürnberg“

Thomas Müller (Koordination Integrationsprogramm der Stadt Nürnberg)

Mittwoch, 25. September 2019

18:30 Uhr

„Interkulturelle Kommunikation“

Prof. Dr. Horst Kopp (Professor für Wirtschafts- und Sozialgeographie im Nahen Osten)

Die interkulturelle Kommunikation leidet oft darunter, dass die Akteure – völlig unbewusst – auf der Basis des ererbten „kulturellen Kapitals“ argumentieren. Deshalb kommt es zu Missverständnissen, die sich vermeiden lassen. Der Vortrag möchte grundsätzliches Wissen über arabische Gesellschaften vermitteln und damit zu einer besseren Integration beitragen.

19:30 Uhr

„Politische Aspekte des Wiederaufbaus“

Samer Alhakim (Syrisch-deutscher Software-Ingenieur und politischer Aktivist für Menschenrechte)

Ein Wiederaufbau setzt eine friedliche politische Lösung für den Konflikt voraus. Anders als in Nürnberg 1945 ist der Konflikt noch nicht beendet, wodurch eine Rückkehr der Geflüchteten und Vertriebenen noch nicht möglich ist.

 

VORTRAG

Am 25. September 2019 hält Horst Kopp um 18 Uhr in der KREIS Galerie (Kartäusergasse 14, Nürnberg) den Vortrag

Wie funktionieren arabische Gesellschaften?

Inhalt: Interkulturelle Kommunikation leidet oft darunter, dass die Akteure – völlig unbewusst – auf der Basis des ererbten “kulturellen Kapitals” argumentieren. Deshalb kommt es zu Missverständnissen, die sich vermeiden lassen, wenn beide Seiten mehr voneinander wissen. Der Vortrag möchte grundsätzliches Wissen über arabische Gesellschaften vermitteln und damit zu einer besseren Integration beitragen.

Wir waren dabei

Abdelilah El Badi, Leiter der Islamischen Gemeinde Erlangen, und Horst Kopp am Stand beim

Das Fest der Kulturen wurde vom Ausländer- und Integrationsbeirat gemeinsam mit Kultur- und Migrantenvereinen der Stadt Erlangen mit einem vielfältigen Programm durchgeführt. Nach ersten Schätzungenein besuchten mehr als 20 000 Personen, darunter viele Kinder, das Fest und setzten ein Zeichen für eine lebendige und bunte Stadtgemeinschaft.

Konzert in Berlin

Am 17. August 2019 gibt das West-Eastern Divan Orchestra in der Berliner Waldbühne ein klassisches Konzert anlässlich des 20-jährigen Orchesterjubiläums unter der Leitung von Daniel Barenboim.

Dieses traditionelle Berliner Open-Air-Ereignis ist auch musikalischer Auftakt für ein zweites Jubiläum, dem Beethoven-Jahr 2020, in dem die Musikwelt den 250. Geburtstag des Komponisten feiert. Erleben Sie Beethovens Violinkonzert mit Michael Barenboim als Solisten sowie die Siebte Symphonie vor der beeindruckenden Naturkulisse der Waldbühne.

Nähere Informationen finden Sie hier: https://www.waldbuehne-berlin.de/event/west-eastern_divan_orchestra_2019-08-17_19/

Kunst kennt keine Grenzen

Unter dem Motto “Art is unlimited” haben Marwan Asaad und Esther Grasser im Juli 2018 über 40 Künstler aus den arabischen Ländern nach Nürnberg zu einem Workshop eingeladen. Die Bilder entstanden im harmonischen Beisammensein, und die anschließende Vernissage wurde sehr gut besucht.

Ein Teil dieser großartigen Gemälde wird vom 13. April bis 24. Mai 2019 in der Kulturwerkstatt auf AEG (Fürther Straße 244d, Nürnberg) zu sehen sein: Orientalische Kunst, die Gefühle zulässt, die Freiheit, Mut, Liebe, Respekt und Frieden zeigt. Sie darf neugierig machen, provokant sein oder zum Nachdenken anregen. Ziel ist, eine Brücke zwischen den arabischen, europäischen und internationalen Kulturen zu bauen, denn Kunst kennt keine Grenzen.

Eine Ausstellung von Artists Infinity Company

in Kooperation mit Arabisches Haus Nürnberg e.V.

und Kulturwerkstatt Auf AEG – Kulturbüro Muggenhof

Zur Vernissage am Samstag, 13. April 2019 um 19 Uhr spielt ein Musiker der “Sterne” (Fürth)